Neuroideenmanagement 1 – das Gehirn als Wirklichkeitskonstrukteur

Geschrieben von: Dr. Hartmut Neckel am: 12.02.2021

  • Themen: Wirklichkeitskonstruktion und Sinngebung im Gehirn, Erkennen von Verbesserungspotentialen, Ideenmanagement im Licht von Ergebnissen aus Hirnforschung, Neurobiologie, Gestalttheorie, Verhaltensökonomie, Kognitionswissenschaften

Ideen entstehen in Gehirnen. Und auch alle Prozesse zum Management von Ideen finden in Gehirnen statt. So, wie Neuromarketing versucht, Erkenntnisse der Neurobiologie auf das Marketing anzuwenden (was auch für das interne Marketing des Ideenmanagements interessant ist), geht es im „Neuroideenmanagement“ darum, die Funktionsweisen unserer Gehirne im Hinblick auf deren Relevanz für das Ideenmanagement zu beachten.

Für viele Anliegen des Ideenmanagements ist es nützlich, eine gewisse Vorstellung davon zu haben, wie Gehirne aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Damit beschäftige ich mich in diesem Beitrag und drei weiteren Blogbeiträgen:

  • Das Gehirn als Wirklichkeitskonstrukteur
  • Das Gehirn als Sozialorgan
  • Das Gehirn als Lustsucher
  • Das Gehirn als Assoziationsmaschine

Da neue Ideen meist dank neuer Assoziationen entstehen, lade ich Sie von Anfang an zum fröhlichen Assoziieren ein – auch in der Annahme, dass Personen, die selbst offen für Rundumblicke über den Tellerrand sind, inspirierende und erfolgreiche Ideenmanager sind. Assoziative Impulse werde ich mit >>> kennzeichnen und ggf. auf entsprechende Links im Internet hinweisen.

  • Wenn Sie Ihrem Gehirn allerdings etwas Gutes tun wollen, empfehle ich Ihnen, wann immer möglich, diesen Hinweisen im wörtlichen Sinne „nachzugehen“: Indem Sie aufstehen und zum Bücherregal oder -schrank gehen, ein passendes Buch ergreifen und darin die richtigen Seiten aufblättern. Warum die gleichzeitige motorische und haptische (je nach Buch vielleicht noch olfaktorische) Stimulanz für Lern- und Entwicklungsprozesse unserer Gehirne so förderlich ist, erschließt sich spätestens im nächstfolgenden Beitrag zum „Gehirn als Sozialorgan“.

 

Das Gehirn sieht nur, was es weiß

Verbesserungspotentiale müssen bemerkt und vom Einreicher bewusst wahrgenommen werden, damit entsprechende Ideen entwickelt und vorgeschlagen werden können. Die Entstehung von Verbesserungsvorschlägen ist damit (auch) eine wahrnehmungstheoretische Fragestellung: Wie kommt das zustande, was uns als wahrgenommene (= für „wahr genommene“) Wirklichkeit bewusst wird? Was passiert dabei in unserem Gehirn?

Betrachten Sie als Beispiel bitte Abbildung 1 und beantworten die Frage, welcher Innenkreis größer ist:

Blog 29 1 Kreise 2021 02 10

Abbildung 1: Welcher Innenkreis ist größer?

Was Sie sehen (bzw. wie es im Gehirn erscheint), ist, dass der Innenkreis links größer ist. Natürlich wissen Sie, dass die beiden Innenkreise links und rechts genau gleich groß sind – irgend etwas ist also im Verarbeitungsprozess der visuellen Signale auf dem Weg vom Auge zu dem Teil des Gehirns, in dem die uns bewussten Bilder entstehen, schiefgelaufen. Das Gehirn hält das gleiche Objekt in der Umgebung kleinerer Objekte für größer, als es tatsächlich ist und umgekehrt.

  • Zuweilen wird dieses Phänomen als „optische Täuschung“ oder „Sinnestäuschung“ bezeichnet. Es handelt sich aber um keine Fehlleistung der „Optik“ (im Auge, im Sinnesorgan), sondern um einen Effekt der Informationsverarbeitung im Gehirn – der Art und Weise, wie das Gehirn unsere wahrgenommene Wirklichkeit konstruiert.

>>> Auf eine ähnliche Art täuscht uns (bzw. sich) das Gehirn, wenn es den aufgehenden Mond dicht über dem Horizont viel größer aussehen lässt, als wenn er hoch am Himmel steht.

>>> Lesen oder singen Sie das Abendlied („Der Mond ist aufgegangen“) von Matthias Claudius.

>>> Nehmen Sie sich ca. 15 Minuten Zeit, um beim Hören von Beethovens „Mondscheinsonate“ Ihren Gedanken nachzusinnen.

>>> Gönnen Sie sich zwischendurch eine kleine Bewegungspause und üben den Moonwalk

>>> Weitere Beispiele zu Verarbeitungsfehlern visueller Signale finden Sie hier.

Bitte betrachten Sie nun Abbildung 2: Welche Zeichenfolge lesen Sie?

Blog 29 2 A B C 2021 02 10

Abbildung 2: Was lesen Sie?

Vermutlich werden Sie die Buchstabenfolge „A B C“ gelesen haben. Das ist eine sinnvolle Interpretation, die Ihr Gehirn den Signalen aus Abbildung 2 gegeben hat.

Bitte blättern Sie weiter zur Abbildung 3: Welche Zeichenfolge lesen Sie hier?

Blog 29 3 12 13 14 2021 02 10

Abbildung 3: Was lesen Sie?

Vermutlich werden Sie hier nun die Zahlenfolge „12 13 14“ gelesen haben. Auch das ist wieder eine sinnvolle Interpretation!

Je nach Kontext interpretiert das Gehirn ein und dasselbe Muster unterschiedlich – und zwar so, dass es im jeweiligen Zusammenhang Sinn ergibt („B“ bzw. „13“). Damit löst es Mehrdeutigkeiten schnell auf. Was hier aber Sinn ergibt (bzw. ergeben könnte), das weiß unser Gehirn bereits – es hat Vorlagen sowohl für die Buchstabenfolge „A B C“ als auch für die Zahlenfolge „12 13 14“ gespeichert.

  • Im Vorgriff auf die später nachfolgenden Beiträge zum „Neuroideenmanagement“ sei hier kurz angemerkt, was im Gehirn bei solchen Interpretationsleistungen abläuft: Bekannte „Dinge“ (damit möge alles bezeichnet sein, was wir uns gedanklich vorstellen können) sind in Form neuronaler Netze gespeichert, gut gebahnter Verbindungen zwischen Tausenden Neuronen. Werden nun die neuronalen Netze aktiviert, die die Buchstaben „A“ und „C“ repräsentieren, ist es für das Gehirn einfacher, das entsprechende Netz noch für einen weiteren Buchstaben zu aktiveren als für eine Zahl. Werden dagegen zuerst die neuronalen Netze für die Zahlen „12“ und „14“ aktiviert, ist es für das Gehirn näherliegend, auch im Zeichen in der Mitte eine Zahl zu „sehen“.

>>> Stellen Sie sich vor, Sie erhalten einen neuen Personalausweis mit der Kennung „L73YMN0ZV“. Was geben Sie in einem Onlineformular als drittletztes Zeichen ein – den Buchstaben „O“ oder die Zahl „0“? Hier hat Ihr Gehirn keine sinnvolle Vorlage gespeichert, also kann es auch keine schnelle Auflösung der Mehrdeutigkeit anbieten. Stattdessen müssen Sie sich mit langsamem Denken erschließen, dass von den ausstellenden Behörden wohl nur solche Buchstaben verwendet werden, die eine Verwechslung ausschließen. Dementsprechend geben Sie die Zahl „0“ ein.

>>> Lesen Sie mehr über „schnelles Denken, langsames Denken“.

Dass solche Interpretationsleistungen des Gehirns oft sehr zweckdienlich sind, zeigt Abbildung 4.

Blog 29 4 Textbldsinn 2021 02 10

Abbildung 4: Sie knenön dseien Txet leesn

Auch hier „verfälscht“ das Gehirn ohne unser bewusstes Zutun die Signale, die vom Auge kommen so, dass aus den sinnlosen Buchstabenfolgen etwas Sinnvolles wird – wir lesen die Worte nicht so, wie sie hier geschrieben sind, sondern wie wir sie bereits kennen. Das geht natürlich nur, wenn wir sie bereits richtig gespeichert haben – für jemanden, der die deutschen Worte nicht kennt, bleiben diese Zeichen sinnlos, weil sein Gehirn keine Vorstellung davon hat, wie es daraus etwas Sinnvolles machen könnte.

>>> Ihm geht es dann so, wie den Zuhörern von Kurt Schwitters „Ursonate“, die mit den doch ziemlich sinnfreien Lauten „Fümms bö wö tää zää Uu, pögiff, kwii Ee“ beginnt.

>>> Dass es sehr entspannend sein kann (oder ein Zeichen bereits erreichter Entspannung), wenn man doch versucht, in sinnlose Formen Gestalten hinein zu projizieren, erleben Sie, wenn Sie in am Himmel dahintreibenden Wolken Tiere, Fabelwesen oder sonst was erkennen.

>>> Kurt Schwitters war übrigens ein Meister der Collage – einer Kunst, Neues aus dem Zusammenfügen von Gegenständen zu schaffen, die gewöhnlich nichts miteinander zu tun haben.

>>> Besuchen Sie das Sprengel Museum in Hannover und lassen sich von den dort gezeigten Werken Kurt Schwitters inspirieren.

Neben bereits gespeicherten Vorlagen für die „richtig“ geschriebenen Worte nutzt unser Gehirn bei der Interpretation der an sich ja unsinnigen Buchstabenfolgen auch den Kontext der anderen Worte. Schließlich erwarten wir (bzw. das Gehirn) nicht nur, dass die einzelnen Worte Sinn ergeben, sondern auch die Sätze und der gesamte Text.

  • Man könnte auch sagen: Das Gehirn interpretiert empfangene Signale so, dass sie zu dem passen, was es für sinnvoll hält. Und das ist, wie oben beschrieben, meist das anhand der empfangenen Signale am leichtesten aktivierbare neuronale Erregungsmuster.

Die Abbildung 5 zeigt Ihnen eine Ansammlung von Klecksen.

Blog 29 5 Elefantkleckse 2021 02 10

Abbildung 5: Was sehen Sie?

Falls Sie in Ihrem Gehirn über eine mentale Repräsentation des Bilds eines Elefanten verfügen – was für die meisten Menschen der Fall ist – „sehen“ Sie in diesen Klecksen einen Elefanten. Das ist für Ihr Gehirn das beim Betrachten der Abbildung am schnellsten aktivierte neuronale Erregungsmuster. Es ist die nächstgelegene Möglichkeit, diesem Klecksmuster einen „Sinn“ zu geben.

>>> Die Geschichte von den „fünf Blinden und dem Elefanten“ ist ein schönes Gleichnis dafür, dass man viele Perspektiven braucht, um die „ganze Wahrheit“ zu erkennen – und ein gutes Argument pro Ideenmanagement, das ausdrücklich darauf setzt, alle Mitarbeiter einzubeziehen.

>>> Wie Teilnehmer an einem Führungskräftetraining zum Ideenmanagement dieses Gleichnis direkt an einem (z.B. von Auszubildenden gebauten) Elefanten „begreifen“ können, wird in Abbildung 6 gezeigt.

>>> Zeigt man den Auszubildenden zunächst nur die Baumaterialien (rechts unten eingeblendet) und lässt sie Ideen sammeln, was man daraus machen könnte, hat man gleich noch eine schöne Kreativitätsübung für eine Azubi-Schulung zum Ideenmanagement.

Blog 29 6 Elefant gebaut 2021 02 10

Abbildung 6: Erleben und „Begreifen“ von Mehrperspektivität

Der gleiche Mechanismus kommt zum Einsatz, wenn Sie den Text in Abbildung 7 lesen.

Blog 29 7 Textverdeckt 2021 02 10

Abbildung 7: Was lesen Sie?

Die nur bruchstückhaft sichtbaren Zeichen werden gemäß der bereits gespeicherten Vorlagen der einzelnen Worte zum gesamten Bild ergänzt, und auch hier hilft der Sinnzusammenhang im Kontext der anderen Worte.

Als kleines Zwischenfazit lässt sich festhalten:

  • Wir nehmen nichts so wahr, wie es ist – sondern gemäß dem, was bereits an Vorstellungen in uns vorhanden ist: Wir nehmen alles so wahr, wie wir sind!
  • Jeglichen Input interpretieren wir so, dass er zu unseren Vorstellungen passt. Was nicht passt, wird passend gemacht (wie die Buchstabenreihenfolgen in Abbildung 4). Was unvollständig ist, wird zu einem passenden Gesamtbild ergänzt (wie die Zeichen in Abbildung 7); aus einzelnen Details schließt das Gehirn auf die ganze Gestalt.
  • Tatsächlich nehmen wir stets nur Gesamteindrücke wahr. Selbst während Sie gerade Ihre ganze bewusste Aufmerksamkeit hochkonzentriert auf das Lesen dieses Blogbeitrags richten, nimmt Ihr Gehirn (für Sie weitgehend unbewusst) auch die unterschwelligen Signale aus Ihrem Umfeld wahr und speichert alles als eine Gesamtszene mit der gerade herrschenden Atmosphäre ab. Es ist dieser Mechanismus der ganzheitlichen Wahrnehmung, Speicherung und Erinnerung, der dazu führt, dass etwa spezielle Gerüche Erinnerungen an längst vergessen geglaubte Erlebnisse hervorrufen können.
  • Der bewusst wahrgenommene Eindruck ist dabei keine Eins-zu-eins-Abbildung der Sinneseindrücke im Gehirn (wie etwa das Bild in einer Kamera). Er wird vielmehr – ausgelöst durch die Sinneseindrücke und auf Basis unserer Erinnerungen – erst im Gehirn zusammengesetzt: Die von uns bewusst erlebte Wirklichkeit ist eine Konstruktion unseres Gehirns (wie der aus Klecksen konstruierte Elefant in Abbildung 5). Das gleiche Ereignis wird daher von verschiedenen Menschen unterschiedlich erlebt und erinnert (zum Leidwesen von Polizisten und Richtern, die Sachverhalte anhand von verschiedenen Zeugenaussagen rekonstruieren müssen).
  • Bei allen bisherigen Abbildungen wäre also nicht zu fragen: „Was sehen Sie?“ oder „Was lesen Sie?“, sondern „Was macht Ihr Gehirn daraus?“
  • Auf je mehr Sinneskanälen zusammenpassende Informationen eintreffen, desto prägnanter und (im Hinblick auf erinnerungsfähige Speicherung) „eindrücklicher“ wird der von unserem Gehirn erzeugte Eindruck.
  • Diese Konstruktionsleistung erbringt das Gehirn auch bei jeder Erinnerung: Eine erinnerte Szene wird im Moment der Erinnerung neu zusammengesetzt. Das ist die Erklärung dafür, warum sich Erinnerungen mit der Zeit ändern können.

>>> An dieser Stelle bieten sich gleich zwei Goethe-Zitate an. Erstens (Zahme Xenien II, z.B. in: Johann Wolfgang von Goethe, Werke in zehn Bänden, Stauffacher-Verlag Zürich, 1970, Band 1, Seite 336): „Im Auslegen seid frisch und munter! Legt ihr's nicht aus, so legt was unter.“ Zweitens (Goethes Unterhaltungen mit dem Kanzler Friedrich von Müller, 24. April 1819): „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“

Die geschilderte Funktionsweise des Gehirns ist in vielen Fällen hilfreich – sonst hätten wir die Evolution nicht überlebt. Zuweilen bewirkt sie aber eher eine „Falsch-nehmung“ als eine „Wahr-nehmung“. Dies gilt nicht nur für Bilder (wie in Abbildung 1), sondern auch für die kognitive Verarbeitung unterschiedlichster Sachinformationen (wofür Daniel Kahnemann in seinem o.g. Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ eine Fülle von Beispielen gibt).

Neue Informationen vor allem so zu interpretieren, dass sie zu unseren bereits vorhandenen Vorstellungen passen, kann außerdem Lernprozesse behindern und dazu führen, dass wir die Welt nur noch durch unsere eigene „Brille“ wahrnehmen (ein Effekt, der durch die Vorauswahl der einem Nutzer in sozialen Medien überhaupt angebotenen Informationen noch gefährlich verstärkt wird).

 

Das Gehirn sieht nur, was Bedeutung hat

Die in den Abbildungen 1 bis 5 und 7 gezeigten Inputmuster hatten eine relativ geringe Informationsfülle. Die Informationsmenge, die wir in der realen Welt empfangen, entspricht dagegen eher dem Wimmelbild in Abbildung 8.

Blog 29 8 Wimmelbild 2021 02 10

Abbildung 8

Tatsächlich liefern die Sinnesorgane etwa 1 Millionen Bytes pro Sekunde an Input. Das Gehirn muss also auswählen, was davon bewusst wahrgenommen werden soll.

Eine schnelle und unwillkürliche Auswahl trifft das Gehirn aufgrund seiner aktuellen Interessen, Bedürfnisse, Emotionen und Motive. Sie können den Fokus aber auch gezielt ausrichten – etwa, wenn Sie die Aufgabe bekommen, die Menschen in einem Bild zu zählen. Das erfordert dann bewusste Anstrengung und geht wesentlich langsamer.

Betrachten Sie bitte noch einmal kurz die Abbildung 8. Was tritt spontan in den Vordergrund Ihrer bewussten Wahrnehmung – was nimmt für Sie „Gestalt“ an und hebt sich vom Hintergrund ab – und was bleibt im Hintergrund und wird nur mit-bewusst oder unbewusst aus dem Augenwinkel wahrgenommen? Das sind typische wahrnehmungs- und gestalttheoretische Fragestellungen.

Mitarbeiter der Firma Dolezych GmbH aus Dortmund, mit deren freundlicher Genehmigung ich dieses Bild zeigen darf, erkennen hier natürlich sofort ihre Produkte für sicheres Heben und Transportieren. Auch für zahlreiche Anwender von Anschlagmitteln oder Hebezeugen sowie für Sicherheitsfachkräfte und -beauftragte werden die entsprechenden Situationen und Produkte schnell in den Vordergrund treten.

Blog 29 9 Helikopter 2021 02 10

Abbildung 9

Wer schon als kleines Kind vom Hubschrauberfliegen geträumt hat, „sieht“ natürlich nur das in Abbildung 9 gezeigte Objekt, und eingefleischte Fußballfans „sehen“ nichts anderes (jedenfalls nicht bewusst) als die in Abbildung 10 gezeigte Szene. Sie haben nur Augen für diesen Ausschnitt der Wirklichkeit – ja: Dieser Ausschnitt ist ihre Wirklichkeit.

Blog 29 10 Fuballer 2021 02 10

Abbildung 10

Fast jeder kennt den Effekt: Wenn man sich gerade dafür interessiert, ein bestimmtes Automodell zu kaufen, „sieht“ man dieses Modell plötzlich überall (wie in Abbildung 11).

Blog 29 11 Automodell 2021 02 10

Abbildung 11

Auf die der selektiven Wahrnehmung zugrundeliegenden Mechanismen im Gehirn gehe ich im späteren Blogbeitrag zum „Gehirn als Lustsucher“ noch näher ein.

>>> Den Einfluss des emotionalen Zustands auf die bewusste Wahrnehmung drückt Baptiste im Film „Kinder des Olymp“ so aus: „Wir haben sie zu mehreren betrachtet. Ich habe sie als einziger gesehen.“ (zitiert nach einer deutschen Bühnenfassung)

Anliegen des Ideenmanagements ist es nun, Mitarbeiter zu unterstützen, auch im größten „Gewimmel“ der Arbeitswelt noch die Verbesserungspotentiale wahrzunehmen.

  • Wie im Blogbeitrag vom 14.01.2021 berichtet, werden allerdings die meisten Verbesserungspotentiale so gefunden, wie es Baptiste im o.g. Zitat aus den „Kindern des Olymp“ beschreibt: „Wir sind zu mehreren immer wieder daran vorbeigelaufen. Schließlich ist es mir als einzigem aufgefallen.“

Es stellt sich also die Frage, was das Ideenmanagement tun kann, damit die kleinen Vorfälle, die auf Verbesserungspotentiale hinweisen, auffallen und bewusst wahrgenommen werden. Offenbar ist es dafür hilfreich, wenn bereits gewisse Vorstellungen darüber vorhanden sind, worin Verbesserungen überhaupt bestehen können, und wenn das Thema Verbesserung für möglichst viele Mitarbeiter eine hohe Bedeutung hat. Es geht darum, „Lust auf Verbessern“ und „Lust auf Ideen“ zu wecken. Dazu muss nicht zuletzt auch das Ideenmanagement selbst Aufmerksamkeit finden, im Bewusstsein der Mitarbeiter präsent sein und Attraktivität ausstrahlen.

 

Lesen Sie dazu mehr in den nachfolgenden Blogbeiträgen zum „Gehirn als Sozialorgan“ (veröffentlicht am 15.03.2021), zum „Gehirn als Lustsucher“ (veröffentlicht am 28.04.2021) und zum „Gehirn als Assoziationsmaschine“.

 

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Dr. Hartmut Neckel

Dr. Hartmut Neckel

Zum Autor: Dr. Hartmut Neckel ist einer der profiliertesten Vordenker und erfahrensten Praktiker im Themenbereich Ideenmanagement, Innovation und kontinuierliche Verbesserungsprozesse. >> Mehr

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