Ideenmanagement und Personalabteilung als „Bündnispartner“

Geschrieben von: Dr. Hartmut Neckel am: 30.08.2021

  • Themen: Arbeitgeberattraktivität, entwicklungsorientiertes Recruiting, Onboarding und Einarbeitung, kreativitätsfördernde Personalentwicklung und -qualifizierung, Ideenmanagement in Stellenbeschreibungen und Mitarbeitergesprächen, Offboarding und Wissenstransfer

Unabhängig von der jeweiligen organisatorischen Zuordnung sind Ideenmanagement und Personalabteilung „natürliche Bündnispartner“ – denn weil alle Ideen „Sache des Personals“ sind, muss auch das Ideenmanagement ein Anliegen des Personalmanagements sein. In der Praxis lassen sich viele Handlungsfelder finden, auf denen sich Ideenmanagement mit Personalthemen verbinden lässt.

Fast alle im Blogbeitrag über den „Nutzen des Ideenmanagements“ am 26.07.2021 genannten „indirekten Nutzeffekte“ betreffen unmittelbar Personalthemen. Daher liegt es nah, die vielfältigen Kooperationsmöglichkeiten auszuloten und zu vertiefen, die zwischen dem Ideenmanagement und der Personalabteilung bestehen (einige Ansätze wurden bereits im Blogbeitrag „Erfolgsfaktor 2/9 – Prozess: Kooperation“ vom 13.11.2020 skizziert, weitere finden Sie auch im Abschnitt 3.6.2 „Ideenmanagement im Kontext Personal, Führung und Kultur“ in der „Toolbox Ideenmanagement“).

Personalgewinnung und -auswahl:

  • Ein gut funktionierendes Ideenmanagement lässt sich nach außen publik machen, um die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen – etwa durch entsprechende Erwähnung in sozialen Medien, Imagebroschüren, Nachhaltigkeitsberichten. Manche Unternehmen sprechen das Ideenmanagement auch als Teil des Leistungsspektrums („Benefit“) an, der über die tariflichen Leistungen hinausgeht. Für Unternehmen dürften diejenigen Bewerber interessanter sein, die ein Ideenmanagement positiv bewerten, als die, denen es gleichgültig ist.
  • Für die langfristige Stärkung einer Beteiligungskultur („Ownership Culture“) sollte im Auswahlprozess auch das Kriterium beachtet werden, ob potentielle neue Mitarbeiter erwarten lassen, dass sie mitdenken und gute Ideen einbringen werden – denn Unternehmen brauchen gute Mitdenker! Es ist ein Leichtes, Checklisten und Assessmentverfahren um Fragen nach den vom Bewerber beim vorherigen Arbeitgeber vorgebrachten Ideen und Vorschlägen zu ergänzen.

Onboarding und Einarbeitung:

  • In Einarbeitungsplänen, Laufzetteln oder Checklisten mit allen Stellen, die neuen Mitarbeitern vorgestellt werden, sollte das Ideenmanagement ein fester Bestandteil sein. Idealerweise werden Kennenlern- und Schulungsveranstaltungen durchgeführt, sobald genügend neue Mitarbeiter zusammengekommen sind.
  • Insbesondere sollten alle Auszubildenden so früh wie möglich mit dem Ideenmanagement vertraut gemacht werden – am besten gleich mit einem spielerischen Workshop in der Einführungswoche. Wenn im Rahmen einer Ausbildung mehrere Abteilungen durchlaufen werden, gehört das Ideenmanagement dazu. Manche Unternehmen sehen auch besondere Incentive-Programme vor, um die Beteiligung von Auszubildenden am Ideenmanagement zu fördern.

Personalentwicklung und -qualifizierung:

  • In vielen Unternehmen gibt es definierte Vorgaben für Entwicklungs- und Karrierewege, in die sich Kontakte mit dem Ideenmanagement integrieren lassen. So könnte für Nachwuchsführungskräfte vorgesehen werden, dass sie für mehrere Monate im Ideenmanagement tätig sein müssen – schneller und tiefer lässt sich kein Einblick in die Themen und Funktionsmechanismen eines Unternehmens gewinnen! Ebenso könnten „High Potentials“ mit der Bearbeitung von „Problemvorschlägen“ oder Sonderfällen betraut werden (als „Mini-Projekte“, an denen sie trainieren und sich bewähren können).
  • Das Unternehmen sollte deutlich machen, dass es dem Engagement im Ideenmanagement eine Bedeutung als Gesichtspunkt bei Beförderungen zumisst. Dadurch unterstreicht es den Stellenwert des Ideenmanagements im Unternehmen. Gleichzeitig liefern Kennzahlen aus dem Ideenmanagement der Personalabteilung weitere Anhaltspunkte zur Beurteilung der Führungsqualitäten einer Führungskraft (neben dem Krankenstand und der Fluktuation in ihrem Zuständigkeitsbereich).
  • Eine noch von viel zu wenig Unternehmen und in viel zu geringem Ausmaß genutzte Möglichkeit besteht darin, in sowieso stattfindenden Führungskräftetrainings Übungen und Rollenspiele mit Bezug zum Ideenmanagement einzubauen. Dabei ließen sich viele Trainingsziele zu Themen wie Kommunikation, Motivation, Konfliktbewältigung, Entscheidungsfähigkeit oder Selbst- und Zeitmanagement bestens anhand von Fallbeispielen aus dem Ideenmanagement vermitteln! Die jeweiligen Curricula müssten lediglich geringfügig angepasst und die Trainer entsprechend gebrieft werden.
  • Aber auch das Ideenmanagement selbst kann zum Anbieter von Trainingsveranstaltungen werden: etwa zu Problemlöse- und Kreativitätstechniken. Das zeigt das dritte Praxisbeispiel im Blogbeitrag zum „Erfolgsfaktor 1/9 – Prozess: Flexibilität“ vom 13.10.2020.
  • Indem das Ideenmanagement alle Mitarbeiter fortlaufend dazu anhält, sich mit Gegebenheiten im Unternehmen auseinanderzusetzen und auf Verbesserungsmöglichkeiten zu achten, fördert es das „entdeckende Lernen“ im Alltag. Direkt im Kontext des Ideenmanagements erfolgende Lernschritte sind besonders intensiv, wenn die Hintergründe und Zusammenhänge, aufgrund derer ein Vorschlag abgelehnt wurde, dem Einreicher verständnisfördernd (und motivationserhaltend!) erklärt werden – jede Ablehnung gibt dann Anlass zu einer individuellen Mini-Schulung. In manchen Unternehmen muss (zumindest bei Ablehnungen) explizit bestätigt werden, dass ein persönliches Abschlussgespräch mit dem Einreicher geführt wurde.

Personalführung:

  • Wenn von Fach- und Führungskräften eine Mitwirkung bei der Bearbeitung, Begutachtung, Entscheidung oder Umsetzung von Vorschlägen aus dem Ideenmanagement erwartet wird, sollte das in ihren Stellenfunktions- oder Aufgabenbeschreibungen benannt werden. Damit wird verdeutlicht, dass dies ein Teil der „normalen“ Führungsaufgaben ist und keine „Zusatzarbeit“!
  • Auch in den Agenden der Regelkommunikation sollte das Ideenmanagement einen festen Platz haben. Mitarbeiterjahresgespräche sind ein geeigneter Rahmen, um Führungskräfte darin zu bestärken, die Beteiligung ihrer Mitarbeiter am Ideenmanagement zu fördern. Kennzahlen im Ideenmanagement zum Gegenstand von Zielvereinbarungen zu machen, kann dagegen schnell auch unerwünschte „Nebenwirkungen“ zur Folge haben (siehe hierzu den Blogbeitrag über „Ziele für das Ideenmanagement“ vom 06.03.2020).
  • Die Vorteile und der Nutzen des Ideenmanagements für Führungsaufgaben waren Gegenstand im Blogbeitrag zum „Ideenmanagement als Managementinstrument, Führungsinstrument, Veränderungsinstrument“ vom 26.02.2021.

Offboarding und Wissenstransfer:

  • In den letzten Jahren vor ihrem Ruhestand können ältere Mitarbeiter als Mentoren, Paten oder Promotoren für jüngere und/oder neue Einreicher tätig werden – etwa, indem sie ihr Fachwissen weitergeben, um Ideen weiter auszuarbeiten, oder indem sie ihre Vertrautheit mit der Organisationsstruktur nutzen, um die Bearbeitung von Ideen voranzubringen.
  • Manche Unternehmen sichern sich auch die Unterstützung von Fachkräften über die Altersgrenze hinaus, indem sie beispielsweise eine „Senior Taskforce“ bilden, die ausschließlich für die Umsetzung von Vorschlägen eingesetzt wird.

In der folgenden Abbildung sind die verschiedenen Ansatzpunkte nochmals in Stichworten zusammengestellt.

Blog 43 IdM und HR 2021 08 30

Abbildung: Verbindungen zwischen Ideenmanagement und Personalthemen.

Trotz der vielen Verbindungen zwischen Ideenmanagement und Personalthemen lassen sich in vielen Unternehmen auch andere organisatorische Zuordnungen als zur Personalabteilung finden. Die Bedeutung einer guten Passung aller Prozesse, Strukturen und Regelungen des Ideenmanagements zu den Gegebenheiten des jeweiligen Unternehmens oder Standorts hatten wir im Blogbeitrag zum „Erfolgsfaktor 3/9 – Prozess: Organisation“ vom 16.12.2020 hervorgehoben. Je nach Unternehmensumfeld kann es daher angebracht sein, das Ideenmanagement als eigene Stabsstelle einzurichten oder es beispielweise dem Qualitätsmanagement, dem Innovationsmanagement oder einer Abteilung für Lean Management zuzuordnen (um nur einige Möglichkeiten zu nennen). In jedem Fall sollten dann aber die Schnittstellen zwischen dem Ideenmanagement und der Personalabteilung funktional definiert und intensiv gepflegt werden.

Entfalten und nutzen Sie die Potentiale des Zusammenspiels zwischen Ideenmanagement und Personalpolitik, -entwicklung und -management!

Dr. Hartmut Neckel

Dr. Hartmut Neckel

Zum Autor: Dr. Hartmut Neckel ist einer der profiliertesten Vordenker und erfahrensten Praktiker im Themenbereich Ideenmanagement, Innovation und kontinuierliche Verbesserungsprozesse. >> Mehr

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